OHREN AUF! Alte Meister

Kultur | CARSTEN FASTNER | aus FALTER 33/04 vom 11.08.2004

Ein junger Mann am Ende seines Lebens, Scheitel wie Mascherl adrett gerichtet, blickt mit tief traurigen Augen skeptisch in die Kamera. So sieht man Frédéric Chopin auf einer Fotografie aus 1849, seinem letzten Lebensjahr - eines der ältesten Fotos von einem der kanonisch unter "große, alte Meister" geführten Komponisten überhaupt. Merkwürdig, dass einem Menschen der Vergangenheit durch so ein Foto sehr viel näher kommen können als durch "nach der Natur" gezeichnete Porträts. Die unendliche Sehnsucht in Chopins Musik, ihre filigrane Machart und Entrücktheit: Man glaubt, die Spiegelung all dessen in seinen Augen sehen zu können.

Ein ähnliches Gefühl, Vergangenem ungewohnt nahe zu sein, kann einen bei der CD-Reihe "Masters of the Piano Roll" (Dal Segno/Gramola) überkommen. Diese auf zwanzig Titel angelegte Serie bietet auf derzeit fünf Alben Originalaufnahmen von Klavier spielenden Komponisten aus der Zeit um 1900 - und zwar im fotorealistischen Digitalklang. Wie das geht?


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