STADTRAND

Bankgeheimnis

Stadtleben | aus FALTER 33/04 vom 11.08.2004

Während die Sitzplatzsituation auf privat geführten Grünflächen mancherorts als problematisch zu bezeichnen ist (siehe dazu auch Stadtrand, "Falter" 32/04), nimmt die Anzahl der Sitzplätze im öffentlichen Raum weiter zu - zumindest hat es den Anschein. So tauschte man diese Woche am Morzinplatz unbequeme Drahteinzelsitzer gegen Bänke ein. In diesem Falle sogar gegen die langen und nicht die fiesen Zweisitzer, wie man sie von anderswo kennt. Die unzähligen rosa Liegen im MuseumsQuartier sind mindestens so begehrt wie die Liegestühle mallorquinischer Hotels. (Und viele ihrer Benutzer würden sogar wahrscheinlich am liebsten vormittags mit Badetüchern ihr Lieblingsplätzchen für den Frühabend reservieren.) Es ist kein Bankgeheimnis: Man kann in dieser Stadt fast überall gut sitzen, ohne dafür extra Geld bezahlen zu müssen. Nur auf der Mariahilfer Straße ist es schwierig, einen Gratissitzplatz zu bekommen - die oben genannten fiesen Zweisitzer sind selten und meist schon besetzt, lange Bänke werden dauerhaft bewohnt. Was ja auch in Ordnung geht. Wer gar keine Bank braucht, weil es zu seiner Ehre gehört, auf solch bürgerlichen Schnickschnack zu verzichten, darf sich aber nicht am Boden niederlassen. Oder was sollen die Unterschriftenlisten gegen die Punks vorm Generali Center? C. W.


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