STANDPUNKT

Schwule Sünden

Politik | aus FALTER 34/04 vom 18.08.2004

Das wirklich Beängstigende am St. Pöltner Kinderpornoprozess (siehe dazu Bericht Seite 10) kam nur ganz kurz zur Sprache. Piotr S., jener Zögling, der Tausende Kinderpornos gesammelt hatte, schlich einmal ein paar Kindern in den Wald nach. Die schrien um Hilfe und schlugen den Priesterschüler in die Flucht. Das pädophile Nachschleichen war nicht strafbar, aber es hätte richterliche Alarmglocken läuten lassen sollen. Eine moderne Strafrichterin könnte den kranken Zögling zu einer Therapie drängen, damit er sein Sexualverhalten als medizinisches Problem erkennt. Der Staat erlaubt die Überwachung solcher Täter. Doch die St. Pöltner Richterin machte von diesem Recht keinen Gebrauch und sprach nur eine bedingte Strafe aus. Dann strauchelte sie auch noch im Dickicht von Recht und Moral, Homosexualität und Pädophilie. Bei der Strafbemessung wollte sie dem Zögling keinen "ordentlichen Lebenswandel" attestieren, weil homosexuelle Pornos in seiner Wohnung gefunden wurden. Pfui, pfui. Später führte sie aus, worin sie einen "ordentlichen Lebenswandel" erblickt hätte: "Er liegt vor, wenn jemand Familie hat und am Sonntag die Kirche besucht", so die Richterin zum Falter. Das riecht nach Sittenstrafrecht und nicht nach aufgeklärtem Rechtsverständnis, das Opfer schützen soll. Und wusste die Richterin nicht, dass Piotr S. täglich die Kirche besuchte? F. K.


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