NEUE REGELN, ALTE KRITIK

Groß, klein oder katholisch?

Kultur | aus FALTER 34/04 vom 18.08.2004

Keine Regel ohne Ausnahme, das gilt nicht nur für die alte wie die neue Rechtschreibung, sondern sogar für die derzeitige Diskussion darüber. Denn über eine Errungenschaft des neuen Regelwerks wollen offenbar selbst die schärfsten Reformgegner nicht nörgeln: Die eindeutige Klärung der ewigen Frage nach ss oder ß scheint tatsächlich rundum akzeptiert zu werden. Auf kurzen Vokal bzw. Umlaut folgt jetzt einfach immer ss (der Bass), nach langem Vokal oder einem der Diphthonge (Doppelvokale wie ei oder au) kommt ein scharfes ß (Maß, reißen, Straße).

  Allein diese grundsimple Regel macht schon über neunzig Prozent aller Änderungsfälle aus; doch den Kredit, den sich die Reform damit eigentlich verdient hätte, hat sie gleich wieder mit zwei Änderungen vergeben, die es Kritikern tatsächlich leicht machen. Nicht dass vorher alles klar und logisch gewesen wäre, aber sowohl die neue Regelung der Zusammen- bzw. Getrenntschreibung als auch jene zur Groß- oder Kleinschreibung werden


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