AUFGEBLÄTTERT

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 34/04 vom 18.08.2004

Die Pubertät ist eines der Paradethemen der Literatur. Mehrere Meter Regal lassen sich jährlich mit den entsprechenden Neuerscheinungen füllen. Dabei fällt auf, dass sich die meisten Romane, die das Prädikat der Zeitlosigkeit verdienen, auf die Seelenqualen von Außenseitern konzentrieren. "Meine zweite Haut" des Belgiers Erwin Mortier ist so ein Titel. Der psychologisch messerscharf modellierte Ich-Erzähler ist ein unfreiwilliger Einzelgänger. Sein biederes Elternhaus hat den Zwölfjährigen nicht mit der Weltläufigkeit ausgestattet, die nötig wäre, um artikulieren zu können, warum er sich abkapselt. "Was fehlt dir eigentlich? Antons Antwort fasst seine Not zusammen. "Ich weiß es nicht', brüllte ich dann zurück. Alles!'" Hätte er den vor Selbstbewusstsein strotzenden Willem nicht kennen gelernt, wüsste er möglicherweise erst als Erwachsener, dass sein Problem so simpel wie schwierig ist: Ihm fehlt ein Freund, der ihm auf ganz praktische Art vermittelt, dass sich manche

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