OHREN AUF! Imaginäre Folklore

KLAUS TASCHWER | Kultur | aus FALTER 34/04 vom 18.08.2004

Es ist schon wieder mehr als zwei Jahrzehnte her, dass in Lyon die "Association pour la Recherche d'un Folklore imaginaire", kurz: ARFI, gegründet wurde. Musiker wie Louis Sclavis wollten damals den Jazz um lokale Musiktraditionen bereichern (oder umgekehrt) und sich so die eigene Tradition quasi selbst erfinden. Was über ARFI und ihre tollen Bands hinauswirkte, ist der damals erfundene Begiff der "imaginären Folklore", der in der heutigen Weltmusik zum Schlüsselwort avancierte.

Autochthone Traditionen scheinen jedenfalls durch den Filter der Musikindustrie im Verschwinden begriffen. Stattdessen geben heute die kreativen Vermischer den Ton an, die im Idealfall aus disparaten Teilen neue, nie gehörte Klangwelten zusammenfügen. Wie zum Beispiel Renaud Garcia-Fons. Für seine neue CD "Entremundo" (enja/edel) begab sich der wahrscheinlich virtuoseste Kontrabassist weltwelt in eine musikalische Gegend zwischen Orient und Okzident, irgendwo in einem imaginären Andalusien. Vor dieser Flamenco-trächtigen

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