KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 34/04 vom 18.08.2004

Wenn Christian Hutzinger eine Interpretation seiner Kunst nicht mag, dann ist es der Vergleich mit der 70er-Jahre-Nostalgiebewegung Wickie, Slime & Paiper. Dabei lassen die im Mumok gezeigten Gemälde und Collagen (bis 10.10.) des 1966 geborenen Künstlers unweigerlich an buntes Plastikdesign, Bazooka-Kaugummi oder das Videospiel Tetris denken. Diese Assoziationen rühren wesentlich von den verwendeten Farben Orange bis Erbsengrün und von der runden Form her. Für seine sympathische Soft-Edge-Malerei verwendet Hutzinger ein Repertoire an Elementen und Modulen, das an grafische Bausteine wie etwa leere Logos denken lässt. Frühere Ausstellungen nannte der Wiener Künstler "müde", "weich" oder "mild"; die aktuelle Präsentation heißt "still". Die eigens für die Schau entstandenen Gemälde werden von einer Wandmalerei ergänzt, die in vergrößerter Form die gleichen bunten Kugeln und Kringel wie die Bilder aufweist; und auch in den Collagen liefert der Mittdreißiger Erinnerungen ans Kinderzimmer.

  Eine viel "reinere" Malerei ist derzeit in der Secession zu sehen. Es würden wohl wenige darauf kommen, die Bilder der Deutschen Charline von Heyl (bis 5.9.) auf die unmittelbare Gegenwart zu datieren: Expressiv bis hin zu Fingerspuren, oft in kontrastreichen grellen Farben gehalten, explodieren diese Gemälde und Papierarbeiten so dramatisch wie in den Achtzigerjahren. Alles ist in Bewegung, scheint zu rotieren und springt dem Betrachter entgegen. Virtuos verwebt von Heyl akzentuierende schwarze Linien in die Farbknäuel. Wie ist solche Malerei heute zu verstehen? Vielleicht als Zitat oder Fortführung der Bilddynamik expressionistischer Strömungen, allerdings unter Vermeidung von deren Pathos.


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