Stadtrand

Piep!

Stadtleben | aus FALTER 34/04 vom 18.08.2004

Ich brauche dringend Hilfe. Ich bin nämlich scan-süchtig. In einigen ganz modernen Supermärkten darf man jetzt seinen Einkauf selber scannen: Man geht mit einem Spezialgerät durchs Geschäft, scannt - piep! - den Strichcode und rein damit ins Wagerl. Später muss man nicht an der Kassa warten, sondern hat seine eigene VIP-Schleuse, bezahlt an der Maschine und geht. Kaum hatte ich die ersten Schwierigkeiten (unverpacktes Obst und Gemüse ist tricky) überwunden, kippte ich auf das Piepen voll rein und suchte neue Herausforderungen. Faltige Keksverpackungen zum Beispiel, die die Kassiererin immer so lange über den Scanner ziehen muss, bis alle Kekse zerbröselt sind. Gut ist auch, die maximale Entfernung zwischen Handscanner und zu scannendem Produkt auszureizen. Auch lustig: Freunde beim Abshoppen einscannen ("ungültiger Artikel"). Wenn ich jetzt irgendwo Strichcodes sehe, scanne ich bereits in Gedanken. Ich gebe es zu, ich habe sogar schon einmal im Traum den Scanner als Laserwaffe benutzt. Zum Glück haben die Leute vom Supermarkt eine Suchtsperre eingebaut. Unlängst hatte ich mein Wagerl randvoll mit Selbstgescanntem. Doch die Zahlmaschine weigerte sich zu kassieren: "zu viele Produkte". Also musste ich mich an der good old Kassaschlange anstellen und zusehen, wie die Kassiererin mein Werk nochmal über den Scanner zog. Piep! C. W.


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