STANDPUNKT

Faules System

Politik | aus FALTER 35/04 vom 25.08.2004

Schon wieder wurde die Polizei verurteilt. Schon wieder war es ein psychisch Kranker, der zu Tode kam. Und schon wieder wurde die schlechte Ausbildung der Polizei von den Beamten als Entschuldigungsgrund vorgebracht. Doch so geht es nicht weiter. Vergangene Woche stellte der Unabhängige Verwaltungssenat fest, dass der Lastwagenfahrer Rodica J. aufgrund von Ausbildungsmängeln der Exekutive zu Tode kam. Ein Polizist hatte dem Mann, der mit einem Messer herumgefuchtelt hatte, in den Rücken geschossen - und Notwehr behauptet. War es aber nicht. Sondern Schlamperei. Der Anwalt Ingo Riess erhob Klage und bekam im Namen der Familie Recht. Nach den Fällen Omofuma, Spieß (in Bauchlage fixiert gestorben), Wague, Imre B. und Binali Ilter zählen wir die sechste tödliche Amtshandlung innert weniger Jahre. Das Muster ist dasselbe: Eine oft auch noch präpotent auftretende Polizei agiert unprofessionell, verweist auf die angeblich schlechte Ausbildung, schüttet präventiv das Opfer als besonders gewaltbereit an, um so besser Notwehr behaupten zu können. Die Justiz müsste zügig handeln und hart strafen, damit diese ausbildungsfaulen Beamten und ihre Vorgesetzten endlich in der Polizeischule oder - warum nicht - auch mal ein paar Wochen im Gefängnis sitzen. Stattdessen wird getrödelt. Fünf Jahre wartete Familie Omofuma auf 10.000 Euro. Eine riesige Schande ist das. F. K.


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