"Ein alter Kämpfer"

Politik | GERALD JOHN | aus FALTER 35/04 vom 25.08.2004

NS-VERGANGENHEIT Als Nazi setzte er sich für Hitlers Siegeszug ein. In der Zweiten Republik avancierte Ludwig Jedlicka zum Doyen der Zeitgeschichte und Mitbegründer des Widerstandsarchivs. Die Karriere eines Wendehalses. 

Der junge Dissertant lässt keinen Zweifel daran, in wessen Diensten er steht. "Jahrhundertelang musste das deutsche Volk um die seinem Wesen entsprechende Lebensform ringen", schreibt der 23-Jährige in seiner Doktorarbeit an der Uni Wien: "Erst unsere Zeit hat ihm letzte und höchste Erfüllung gebracht." Die Arbeit datiert vom Dezember 1939. Österreich und das Sudetenland gehören längst zu Nazideutschland, eben hat Adolf Hitler Polen überfallen.

  Wer huldigt da schwülstig dem volksdeutschen Wahn? Ein Nazihistoriker, der mit dem Dritten Reich in der Versenkung verschwand? Mitnichten. Der junge Student sollte noch viele historische Werke schreiben, allerdings mit ganz anderer Schlagseite. Nach dem Krieg schaffte Ludwig Jedlicka, geboren im Mai 1916, den reibungslosen


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