PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Die Anarchie der Kühe

Stadtleben | aus FALTER 35/04 vom 25.08.2004

... Ihr seid nicht ... hingetreten ... zum Schall ..., bei [dem] die Hörer flehten, diese Stimme solle nicht weiter zu ihnen reden. Ihr seid vielmehr ... hingetreten ... zur Gemeinschaft der Erstgeborenen ...

Heb 12,18-19.22-24a (2. Lesung am 22. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres C)

Hiezu kommt, dass alle Kühe Schweizens Glocken tragen. Also umgeschnallt kriegten. Und wenn der Kater am Gehsteig seinen Kontrollgang beginnt, erschallt die ganze Talsohle voll Kuhglockenklang. Als er geboren wurde, schallte es bereits. Und es wird schallen ohne Ende, wenn er versterben wird. Er markiert natürlich trotzdem sein Revier mit seinem Harn. Da können Kühe drauf sein oder drinnen, was wollen, und schallen. Er markiert sein Revier. Die fressen Gras, er frisst die Mäuse. Sie haben also kein Problem miteinander. Außerdem sind die Kühe begrenzt mit elektrischem Strom, und er kann wegen seiner Kleinheit unter dem elektrisierten Draht jederzeit drunter durch. Natürlich würde der österreichische Parlamentspräsident jederzeit in der Lage sein, da was zu machen, aber was scheren den Schweizer Kater und Kühe und ihre Relation untereinander.

  Der Kater macht seine Runde, trinkt sein Blut und ist dabei vielleicht getragen von süßester Pastoral. Oft und oft hatte ich den Eindruck, er kam nur sein Trockenfutter hinunterschlingen, um mir ein bisschen Liebe zu schenken: Ich denke auch an dich, mein Kind, bist ja auch ein Teil meines Reviers. Denn als die Katerinhabung vor einer Woche in der Küche den "Predigtdienst" einander vorlas und dabei konstatierte, dass auch sie tatsächlich den Kater noch niemals trinken sah, hob hinter ihnen ein Schnalzen an. Ostentativ stand der gebeugte Kater über dem Schüsserl und schlürfte schier endlos Minuten um Minuten und soff nun auch Wasser noch ihnen zuliebe. So ist das Unbewusste noch völlig am Anfang. Alle verstehen alles, und es wird ihnen nur erlassen von der Software, was sie alles wüssten, auch innezuwerden. Das Zweitgeborene, sagt das Fernsehen, weiß bereits im Mutterleib, da war schon einer, Achtung! Und es sagt, je mehr die Eltern an Häusern und Höfen zu vererben haben, desto schneller stirbt es sich als Zweitgeborener.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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