STANDPUNKT

Man fährt Bahn

Politik | aus FALTER 36/04 vom 01.09.2004

Wer zahlt, schafft an - so lautet das Motto der Regierung bei den ÖBB, kritisiert Billig-Airliner Niki Lauda und verabschiedete sich aus dem ÖBB-Aufsichtsrat. Eigentlich kein blödes Motto. Bei seiner Airline wird Lauda das wohl ähnlich halten. Der Staat als Hauptaktionär der ÖBB muss in der Verkehrspolitik die Interessen von Wirtschaft, Bevölkerung und Umwelt auf einen Nenner bringen. So gesehen ist es nicht dumm, diejenigen, die das Geld rüberreichen - also die gewählten Vertreter der Bürger - anschaffen zu lassen. Die Alternative wäre eine private Bahn, die nur jene Strecken anfährt, die Geld abwerfen, und die unrentablen, die aber für die Bevölkerung auch wichtig sein können, verfallen lässt. Die Regierung hat sich aber für eine Mischform entschieden: Die Zukunft des Staatseigentums Bahn aktiv zu gestalten scheint sie wenig zu interessieren - dafür müsste man später womöglich die Verantwortung übernehmen. Stattdessen wurden die ÖBB als Abstellgleis für schwarze und blaue Freunde entdeckt, die in der Politik nicht mehr gebraucht werden. Da redet die Regierung gerne mit. Wem es an Qualifikation fehlt, der kaschiert das kleine Manko durch noch höhere Managerbezüge. Und Jobs gibt es bei den ÖBB jede Menge. Vielleicht werden es bald ja noch mehr. Vor den nächsten Wahlen gibt es sicher viele, die vom unsicheren Politik-Ticket lieber auf die Bahn umsteigen wollen. N. H.


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