STREIFENWEISE

Kultur | MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 36/04 vom 01.09.2004

Die Synchrontexter können einem schon Leid tun. Zwei Dialogstunden voll amerikanischer Wortspiele rund um den Bauernhof. Da versagt irgendwann selbst das dickste Synonymwörterbuch, und es kommen sensationell blöde Kalauer wie: "Da geh'n dem Gaul die Pferde durch", zustande. Die Rede ist vom Disney-Animationsfilm "Die Kühe sind los" (Originaltitel: "Home on the Range"), der die traditionell männlich belegte Westernwelt der Cowboys, Planwagen und frühkolonialen Farmbetriebe umcodiert, indem er sie aus der Perspektive dreier Milchkühe (in der deutschen Version gesprochen von Hella von Sinnen, Christiane Hörbiger und Marie Bäumer) neu erzählt. So viel zur, zugegeben, nicht unoriginellen Grundidee dieses Westernmärchens (geeignet für Kinder bis zwölf), das sich auf voller Länge jedoch mehr als dröge durch die Handlung schleppt. Und so bleibt eine grandiose, in allen Regenbogenfarben schillernde, Leinwand füllende Busby-Berkeley-Rinderherden-Tanzchoreografie, die wohl die Kifferpartie unter den Zeichnern in den Film hineinschmuggeln konnte, ein einsamer Höhepunkt.

  Von Rinderherden zu Kinderhorden: eine solche hat nämlich die Titelfigur von "Die Kinder des Monsieur Mathieu" ("Les Choristes", Regie: Christophe Barratier) zu bändigen. Als Pedell und Musiklehrer kommt Monsieur Mathieu (Gérard Jugnot) an ein Internat für schwer erziehbare Buben, wo er bald feststellt, dass in jedem Burschen ein guter Kern, dafür im militärisch herrschenden Direktor ein Herz aus Stein verborgen liegt. Weniger realitätsverbundenes Drama als wunschgedachtes Märchen ist dieser Film, in dem die Macht der Musik einen Haufen Tunichtgute zu Chorknaben reformiert. Zu empfehlen allen, die Peter Weirs "Dead Poets Society" den Vorzug vor Louis Malles "Auf Wiedersehen Kinder" oder Yves Roberts "Krieg der Knöpfe" geben würden.


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