SPIELPLAN

Kultur | C. WURMDOBLER / K. CERNY | aus FALTER 36/04 vom 01.09.2004

Er habe, erzählte Gregor Seberg dem Falter, keinen Bullyparadeklamauk machen wollen, sondern einen "Italowestern für das Theater". Das ist dem Schauspieler, Autor und Regisseur wirklich gelungen. "Die für den Geier reiten" (bis 4.9.) ist ein dreckiger Italowestern mit allem, was dazugehört: Böse, Gute, Hässliche, einäugige Flintenweiber, unterdrückte Opfer und gutherzige Saloondamen. Nur dass der Saloon im Kabelwerk "Café Eyeless" heißt und der Friedhof "Cementerio Central", genau: Wir sind in der Prärieausgabe von Wien, der Geier ist ein Bundesadler, und Mexiko ist Ösiland. Doch, doch, in "Dog-Dirt-City" wird tüchtig auf die Persiflagetube gedrückt, da wird gebrüllt, gerotzt und geballert, was das Zeug hält, aber Seberg und seine fünf Mitreiter machen das glaubwürdig, und die Anspielungen (ja, ja, es geht auch um George Bush) sind okay, die aufs Genre sind sogar perfekt. Ein unterhaltsamer Theaterabend, fast wie im Kino und sogar mit einer echten "Botschaft" am Ende.

  Im dietheater Künstlerhaus startet die Saison mit einem seltsamen Hybrid. Für "Meet the Composer" (bis 4.9.)hat Toxic Dreams vier Elektroniker eingeladen, Musik zu komponieren, während Yosi Wanunu mit fünf Performern (u.a. Daniel Aschwanden) vier voneinander unabhängige Inszenierungen erarbeitet hat. Das sieht so aus: Hinter Plexiglas hauen sich vier Menschen emotionslos mit einem Plüschhammer auf den Kopf. Oder sie üben, Hosen herunterlassen. Das Problem bei diesem Trainingscamp für Slapstick: Eigentlich sollte eine Buster-Keaton-Dekonstruktion doch mindestens genauso lustig sein wie das Original. Ist sie aber nicht. Es folgen Akrobatikbewegungsstudien, ein wackeliger Tanz auf Krücken und ein Auftritt von grantigen Nazibären, was ein starkes Bild voll bösem Witz ist: Aber man müsste auch etwas daraus machen. Die Bären steppen auf der Stelle, so wie der ganze Abend, der übercodiert und unterinszeniert wirkt - und ganz schön selbstverliebt.


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