STANDPUNKT

Strassers Ausladung

Politik | aus FALTER 37/04 vom 08.09.2004

Ernst Strasser hat auf die Tragödie in Beslan lobenswert rasch reagiert. Am Montag sicherte der Innenminister den russischen Behörden Hilfe für jene Kinder zu, die bei dem Geiseldrama verletzt wurden. Noch am selben Tag schickte das Ministerium Medikamente vom Roten Kreuz und Sondernahrung. Es wurde sogar überlegt, ein paar Opfer nach Wien zu holen. Zumindest eines haben die Terroristen mit ihrem schrecklichen Blutbad erreicht. Der vergessene Krieg in Tschetschenien erfährt wieder internationale Aufmerksamkeit. Auch der ORF berichtete ausführlich über die Hintergründe des Anschlags. Er brachte Bilder von der kriegsmüden Zivilbevölkerung in Tschetschenien, die zum Großteil nicht mit islamischen Fundamentalisten sympathisiert. Die Menschen leben in völlig zerstörten Häusern, russische Soldaten filzen tagaus, tagein ihre Wohnungen. Auf der Suche nach Terroristen ballern diese oft gleich mal prophylaktisch los. Vielleicht sollte Strasser jetzt auch seine Entscheidung vom letzten November überdenken. Damals erklärte er, dass die Kapazitäten in der Bundesbetreuung erschöpft seien, daher werde er Asylwerber an der Grenze "einladen zurückzukehren". Bei einer Gruppe von Tschetschenen, so Strasser damals stolz, habe dies bereits funktioniert. Seither sind noch mehr Tschetschenen seiner "Einladung" gefolgt. N. W.


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