Kommentar

Heimat bist du großer Koffer

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 37/04 vom 08.09.2004

Kaum ist die patriotische Aktion zur Erfindung der österreichischen Sprache gnädig abgeebbt, brandet die nächste Welle heimischen Identitätsgewurschtels über uns herein. Als Vorbote der 2005 anstehenden Jubiläen (sechzig Jahre Kriegsende, fünfzig Jahre Staatsvertrag, zehn Jahre EU-Beitritt) wird ein so genannter "Austrokoffer" gepackt - eine Art Basisbibliothek österreichischer Literatur nach 1945, in der Herausgeber Günther Nenning ausgewählten Autorinnen und Autoren die Krone der Dichtung aufsetzen soll. Blöderweise hat mit den Ausgewählten vorher niemand geredet, sodass der Nachkriegskanon zerbröckelt, noch bevor er überhaupt bekannt geworden ist: Friedrich Achleitner, Elfriede Gerstl, Norbert Gstrein, Elfriede Jelinek, Daniel Kehlmann, Andreas Okopenko, Gerhard Roth, Evelyn Schlag und Marlene Streeruwitz haben ihren Austritt aus dem Austrokoffer bereits deklariert.

Fritz Panzer, Geschäftsführer des Ueberreuter Verlags, bei dem der Austrokoffer erscheinen soll(te), versteht

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