STREIFENWEISE

Kultur | MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 37/04 vom 08.09.2004

Das ganz in Bonbonrosa und Violett gehaltene Plakat der Komödie "30 über Nacht" ("13 going on 30") stellt schnell klar, wer ihr Zielpublikum ist: Mädchen inmitten der Barbie- und Prinzessinnenphase. Noch konkreter wird's dann auf der deutschen Homepage (www.30-ueber-nacht.de), die ihre Besucherinnen mit du anredet und ihnen einen wunderbar-altklugen Horoskopgenerator vorsetzt: "Es ist möglich, coole Sachen zu kaufen, ohne dein Konto zu sprengen. Aber vergiss nicht, wenn etwas reduziert ist, hat das immer einen Grund." Und der Film selbst Der erzählt die alte Entlein-Prinzessinnen-Story, diesmal, indem er eine pickelige 13-Jährige um 17 Jahre altern und als erfolgreiche Redakteurin eines Modemagazins im hippen New York wieder erwachen lässt. Wie schon 1988 Tom Hanks im ähnlich gestrickten "Big" kämpft auch hier eine erwachsene Teeniedarstellerin (Jennifer Garner) mit dem Overacting. Und natürlich endet auch diesmal alles mit der Rückkehr in die jetzt erst so richtig geschätzte Teeniezeit. Ob eine solche Geschichte als Lebenshilfe für pubertierende Mädels taugt, sei dahingestellt. All jenen, die nicht zur Zielgruppe gehören, sei vom Kinobesuch jedenfalls dringend abgeraten.

  Ein Teeniefilm der ganz anderen Sorte - soll heißen: über, aber keinesfalls nur für diese Altersgruppe - ist Peter Solletts "Long Way Home" (amerikanischer Verleihtitel: "Raising Victor Vargas"). Dieses Romeo-und-Julia-von-der-Lower-East-Side-Drama, das seinen Wienstart dem Viennale-Preis der Standard-Leserjury 2002 verdankt, erinnert in seinen besten Momenten an Larry Clarks "Kids" und - indem es implizit die Problematik schwelender Minoritätenkonflikte verhandelt - auch an die Ghettoporträts eines Spike Lee. Ein sympathischer, bislang irgendwie untergegangener und hier viel zu spät in den Verleih gebrachter Independent-Film mit gutem Blick und Gehör für die Codes seines Milieus.


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