Mickey statt Marx

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 37/04 vom 08.09.2004

FILM Mit der Reihe "Die Utopie Film. 100 Vorschläge" liefert das Filmmuseum eine Art kritischen Gegenentwurf zur etablierten Geschichtsschreibung des Kinos. 

Es war einmal ein Filmregisseur, der hieß John Sullivan, hatte Erfolg, viel Langeweile und eine verrückte Idee. Sully wollte das wahre Leben kennen lernen, um endlich auch etwas Bedeutendes schaffen zu können: einen Film über seine Zeit, die große Depression. Er nahm den Hut, ging aus Hollywood fort und mischte sich unter die Hobos, die zu Hunderttausenden durch die Staaten zogen. Nach und nach verlor er alles, das ihm lieb und teuer gewesen war, und landete schließlich hinter Gittern. War drauf und dran, sich selbst völlig aufzugeben, bis man eines Abends im Gefängnis einen Film vorführte, der selbst die schwersten Jungs wie kleine Buben zum Lachen brachte. Da plötzlich erkannte Sully, dass er gefunden, wonach er gesucht hatte: Was die Welt brauchte, war nicht Kritik, sondern waren Komödien - nicht Marxismus, sondern


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