Noch einmal mit Gefühl

WOLFGANG KRALICEK | Kultur | aus FALTER 38/04 vom 15.09.2004

PERFORMANCE. Die Reihe "Gefühlsathletik" im Tanzquartier geht einer spannenden Frage nach: Dürfen im zuletzt so verkopften zeitgenössischen Avantgardetheater wieder Emotionen gezeigt und erzeugt werden? 

"Was weinst du?"

"Ich weiß nicht, mein verehrter Herr. Es ist ins Aug mir was gekommen."

Kleist: "Das Käthchen von Heilbronn"

Der Indianer kennt keinen Schmerz. Die Theatertheoretikerin normalerweise auch nicht. Aber einmal, vor ziemlich genau zwei Jahren, hat es Krassimira Kruschkova dann doch erwischt. Im Tanzquartier zeigte die amerikanische Choreografin Meg Stuart ihr Tanztheaterstück "Alibi", an dessen Ende die Akteure am ganzen Körper von heftigem Zittern erfasst werden. Ein erschütternder Anblick, der bei der promovierten Film- und Theaterwissenschaftlerin Kruschkova eine ungewohnte Reaktion auslöste: Tränen. "Das war das erste und - fürchte ich - letzte Mal, dass ich bei Tanz geweint habe. Sonst heule ich immer nur im Kino."

"Unmögliche Tränen" heißt das Symposium, das

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