STREIFENWEISE

Kultur | MAYA McKECHNEAY, MICHAEL OMASTA | aus FALTER 38/04 vom 15.09.2004

Eine junge Französin, sie heißt Amélie und wird gespielt von Silvie Testud, arbeitet in einem Tokioter Großraumbüro. Ihre japanischen Kolleginnen und Kollegen dort sind, wie man sie sich in Europa gerne vorstellt: bienenfleißig, emotional unterkühlt und perfekte Befehlsempfänger. Amélie hingegen ist, wie man es von einer Trägerin dieses Namens erwartet, kreativ und impulsiv, muss in einer solchen Umgebung verkümmern. Nur ab und zu verleiht ihr die Fantasie Flügel, und dann lässt sie der Film in einer ironiefreien Bluebox-Traum-Sequenz mit ausgebreiteten Armen über die abendrote Großstadt segeln. Alain Corneaus "Stupeur et tremblements" ("Mit Staunen und Zittern") ist Arthauskino at its worst. Wieder eine Literaturverfilmung (Romanvorlage: Amélie Nothomb), die sich nicht anders zu helfen weiß als mit einem illustrativen Voice-over. Testuds Gedankenstimme, die den Culture-Clash humoristisch nutzen will, äußert mal Klischeehaftes, mal kulturell Anmaßendes oder einfach nur Geschmackloses: "Um das zu stoppen, wäre ich sogar bereit, mich auf ein Kriegsschiff zu stürzen." Nach anfänglichem Staunen und Zittern wird sich hier mancher schütteln und überlegen, das Kino zu verlassen.

Ein finnischer Soldat in deutscher Uniform, ein sowjetischer Offizier auf dem Weg zum Kriegsgericht und eine verwitwete Rentierbäuerin stellen das Personal von "Kukushka", einer (wort-)kargen Anti-Kriegs-Liebes-Komödie von Aleksandr Rogozhkin, die in der Einschicht von Lappland anno 1944 spielt. Die junge Frau, die seit vier Jahren keinen Mann gehabt hat, pflegt die beiden Verwundeten gesund, und weil keiner sich mit dem anderen verständigen kann, fangen alsbald die Körper zu "sprechen" an. Damit ist kein Preis für Subtilität zu holen, aber die Geschichte hat - dank Anni-Christina Usso - Charme und Witz bis zum Schluss. Viktor Byshkov und Wille Haapasalo, die männlichen Hauptdarsteller, schrieben am Drehbuch mit.


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