SPIELPLAN

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 38/04 vom 15.09.2004

Die Kabarettsaison beginnt mit neuen Programmen von Künstlern, die für ihren etwas anderen Humor bekannt sind. Dafür, dass man bei Günther Paal alias Gunkl mehr mitdenken als lachen muss, verfügt der Mann mit dem lustigen Gesicht über eine erstaunlich große Fangemeinde. In seinem neuen, siebenten Solo "Vom Leben" begibt er sich in eine Art Paralleluniversum, in dem herkömmliche Gesetze von Raum und Zeit außer Kraft gesetzt sind. Sonderlich lustig geht es dort leider nicht zu, und auch auf eine überraschende Schlusspointe wartet man vergeblich. Hinter der aufwendigen Verpackung (Untertitel: "Ein Entlebnisbericht") steckt eine letztlich ziemlich banale Botschaft: "Man lebt nur einmal" oder so. Der Unterhaltungswert eines Gunkl-Programms lässt sich mit dem des Zeit-Kreuzworträtsels ("Um die Ecke gedacht") vergleichen: Man ist eine Zeit lang damit beschäftigt, man muss sich konzentrieren, hat ein paar kleine Aha-Erlebnisse, und am Ende gibt es nicht einmal ein Lösungswort.

Ein Solitär anderer Art ist Karl Ferdinand Kratzl, der sich wegen mangelnden Publikumsinteresses zuletzt für einige Zeit von den Kabarettbühnen ferngehalten hat. Sein erstes Programm seit vier Jahren heißt "Aus dem Untergrund" (bis 2.10. im Kabarett Niedermair) und wird wohl wieder nicht die Massen anlocken. Kratzl, der diesmal von der etwas anstrengenden Musikerin Martina Cizek (auf verschiedenen unorthodoxen Blas- und Schlaginstrumenten) begleitet wird, versucht sich erstmals im Ausdruckstanz (ein Erlebnis!) und spielt den vom Himmel auf die Erde gefallenen Engel Luzifer, der im Kanal haust und die Menschheit erlösen will. Mit durchaus unkonventionellen Methoden heilt der sonderbare Messias immerhin die Kranken, die Frauen und die Lehrer; ein groß angelegter Ball des Weltfriedens löst dann allerdings eine Katastrophe aus. Ein Programm wie die Bibel: immer wieder genial, oft auch ziemlich seltsam - aber wer's glaubt, wird selig.


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