Aufgeblättert

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 38/04 vom 15.09.2004

Wenn man den Internetrecherchen der Autorin Glauben schenkt, dann kommen in der US-Basis Guantánamo auf Kuba Methoden zum Einsatz, die Namen wie "Entkleidefolter", "Handschellenfolter" oder "Kapuzenfolter" tragen. Zeugenberichte über das hermetisch abgeschirmte Konzentrationslager für mutmaßliche islamistische Terroristen und der Abgleich mit Informationen über eine zweckgleiche US-Basis nahe Kabul bilden die Grundlage, auf der Dorothea Dieckmann in ihrem Roman "Guantánamo" den geschätzten 600 entrechteten Insassen aus 40 Ländern eine Stimme verleiht; und zwar die eines indischstämmigen Hamburgers, der nach dem Ende der Kampfhandlungen gegen die Taliban seine Großmutter in Delhi besucht, in die Grenzregion zwischen Pakistan und Afghanistan reist und in Peshawar verhaftet wird. In einem gelungenen Stück politischer Literatur zeichnet Dieckmann das realistisch wirkende Bild eines standardisierten Entmenschungsprogramms.

Die Methoden der US-Militärs erinnern stark an die Inquisitionsverfahren


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