Fragen sie Frau Andrea

Weissenberg

Stadtleben | aus FALTER 38/04 vom 15.09.2004

Liebe Frau Andrea,

gerade eben war mein Cousin, ein schwedischer Arzt, auf Besuch. In Schweden, dessen Bevölkerung dem Alkohol gegenüber sehr aufgeschlossen ist, hält sich hartnäckig das Gerücht, der Ortsname Wien leite sich vom Wort "Wein" (schwedisch "vin") ab. Mir war das neu. Bitte spenden Sie önologischen Rat!

Mona Jüllig, Leopoldstadt

Liebe Mona,

obwohl die Griechen und Römer gerne und viel Wein tranken, kommen deren Bezeichnungen für Wein, (w)oinos und vinum aus dem Kaukasus, vom georgischen Wort gvino. Als die Römer nach Wien kamen, gab es bereits eine keltische Siedlung. Pragmatisch, wie die Römer waren, nannten sie das Reiterkastell, dessen Ruinen heute unter Teilen des ersten Bezirks liegen, nach diesem Dorf Vindobona. Vielleicht ist das auch Vedunia (Waldbach), dessen sprachlicher Nachhall sich noch im Bezirk Wieden, der dort vorbeimäandernden Wien und der tschechischen Bezeichnung Viden für Wien findet. Vindo und Bona sind keltischen Urprungs. Vindo bedeutet hell, weiß und kommt aus der indoeuropäischen Wurzel, aus der auch video (lat. "ich sehe"), unsere Farbe Weiß, wissen (erkennen), ja sogar das Sanskrit-Wort véda ("ich weiß") kommen. Bona, Bonna (wie die ehemalige Bundeshauptstadt der BRD) ist mit unserem Bau, aber auch mit keltisch Benn (Berg) verwandt. Man könnte also mit einiger Chuzpe behaupten, Wien, das ehemalige Vindobona, hieße etymologisch richtig: Weissenberg.

dusl@falter.at


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