PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Haiders Schwester Haubner

Stadtleben | aus FALTER 38/04 vom 15.09.2004

Vor allem fordere ich zu Bitten und Gebeten, zu Fürbitte und Danksagung auf, und zwar für alle Menschen, für die Herrscher und für alle, die Macht ausüben, damit wir in aller Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört leben können ...

1Tim 2,1-8 (2. Lesung am 25. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres C)

Da ich zu keinerlei Innenschau irgendeines Menschen je gelangte, bin ich auf rasch vorbeisausende Fetzen angewiesen, hie und da Fiakerpärchen, wie sie am Abend von der Wollzeile zur Landstraße heim traben. Und natürlich meistens Angst, wenn ich ein Gesicht erblicke. Tagelang kannst du durch die U-Bahn irren, und kriegst nur Angst, weil alle Angst haben. Kein Gesicht, das dich liebkost. Und da tauchte plötzlich Ursula Haubner am Bildschirm auf, die Cousine schlechthin, dicklich und bekleidet wie am Land.

Sie ist die neue Obfrau der bösen Partei, die die Niedertracht ins Land brachte. Allen erlaubte, niederträchtig zu sein, wenn sie nur dazusagten, sie seien nur ehrlich, sagten, was sie empfänden. Auch Frauen taten mit. Ich denke an die Kaltschnäuzigkeit der Generalsekretärin der FPÖ, Heide Schmidt, bis sie vor circa zehn Jahren übertrat als Liberale, dann Susanne Riess-Passer, die die schreckliche Februar-Regierung als Vizekanzlerin mitgründete, und kalt war - wie eine heiße Maschinenpistole redete, das Wohlbedachte. Und die neue Chefin aber ist Ursula Haubner, Großmutter von Drillingen, mit Brille. Und über all dem schwebt natürlich ihr leiblicher Bruder, der Drillingsgroßonkel Jörg Haider. Der aus der sattsam bekannten schrecklichen Quelle heraus mit den alten Tönen wieder begann, einen ganzen Staat versaute, die freiheitliche Partei seit fast zwanzig Jahren zu der schrecklichen Partei formte.

Und dieser sattsam Schreckliche also hat nun diese leibliche Schwester, welche einen Habitus und eine Art und Weise des Sprechens hat, die so außergewöhnlich sind, dass ich mit ihr nicht fertig werde, und sie schauen muss, wie eine große Lehre, die ich nicht bewältige. Ich hatte nämlich einmal einen Pfarrer gekannt, der vollkommen nachkonziliar war, jedoch voll vorkonziliar im Wesen. Das war mir schnell klar. Oder jetzt die neue U-Bahn-Zeitung Heute - aktuell in den Tag. Die ist viel korrekter als der frühere unter Hans Dichand erschienene tägliche U-Bahn - Express. Was der unter Dichand böser war, war er gleichzeitig schöner und eleganter, als sein trauriger Kastl-Nachfolger voll gerader Kästen im Layout." Das zu erfassen, war mir auch eine leichte Übung. Aber Haubner ist wie eine große E-Mail, die dauert und dauert, bis ich sie zu scannen bewältige.

Da ich keine Strategie oder Taktik beherrsche, weiß ich natürlich jetzt nicht, ob die Gorbachs, Böhmdorfers, Haupts und eben Haubners diese Gratwanderung aufführen, um den Jörgi zuschanden zu reiten, immer in Hoffnung halten, wie die Vera Brühne gehalten wurde angeblich, obwohl sie für ewig verloren war, oder nur ihrer Ministerpensionsberechtigung entgegenbangen, und ihrerseits für ewig verloren sind. Ich erfahre es nicht, ich weiß es nicht. Vielleicht ist die Haubner das Strafkommando, um Haider unschädlich zu machen, vielleicht aber ist ihr Glaube in ihm so fest ruhend, dass all ihre Cousinenhaftigkeit darin gründet, weil der Jörgi einst kommen werde? Ich weiß es nicht, ich weiß gar nichts, ganz Österreich weiß nichts, niemand sagt mir was, wir sitzen im Zuschauerraum und verfolgen das Drama, wie wir der Feldbusch zuschauen, wie sie den Satz beenden wird. Und der Mund steht offen und kein Gott Amor schließt ihn uns. Schleicht das Gift weiter, oder ist Haubner die Drachentöterin, damit die Familienschande zu Ende geht?

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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