Nachhaken, bitte

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 38/04 vom 15.09.2004

AKTION. Bis 15. Oktober veranstaltet der Handel "Nachhaltige Wochen" - was bedeutet das denn schon wieder?

Wenn einen in den nächsten Wochen im Supermarkt Hinweistafeln mit dem flockig-lockeren Spruch "Das bringt's. Nachhaltig" anlachen, sollte man sich nicht nur wundern, sondern auch zugreifen. Denn was die Wies'n für Bayern, das sollen die "Nachhaltigen Wochen" für Österreich sein. Oder so ähnlich. Gut, das Nachhaltigkeits-Oktoberfest findet heuer zum ersten Mal statt. Große Lebensmittelketten, Drogerie- und Baumärkte wollen in der vom Umweltministerium initiierten Aktion auf umweltschonend und regional erzeugte sowie fair gehandelte Produkte in ihrem Sortiment hinweisen. Nachhaltig, falls es jemand noch nicht weiß, bedeutet, Lebens- und Wirtschaftsweisen so zu gestalten, dass die Bedürfnisse der heute lebenden Generation gestillt werden, ohne die möglichen Bedürfnisse künftiger Generationen einzuschränken. Natur- und Klimaschutz, soziales Gewissen, Bildung, Arbeit, Arbeitsschutz und gleiche Grundrechte stehen dabei im Vordergrund - und im Zentrum jener Unternehmen, die sich schon lange mit fair produzierten und gehandelten Waren befassen. Und kleine Bioläden verzichten immer noch weitgehend auf Einwegverpackungen und lange Transportwege. Jetzt machen also auch die "Großen" mit. Zumindest ein wenig und vier nachhaltige Wochen lang. Bei der Gelegenheit kann man dann auch gleich mal bei seinem Lebensmittelhändler (oder vielmehr der Handelskette) nachfragen, wieso es Milch und Joghurt eigentlich nicht mehr im Pfandglasgebinde gibt, wieso Obst und Gemüse nicht nur von weit her, sondern auch noch in festen Kunststoffschalen angeboten werden und warum die energieaufwendigen Tiefkühlkostabteilungen immer größer werden. Die werden antworten, dass sie eben das im Programm haben, was die Kunden wollen. Wer weiß, vielleicht wollen viele Kunden sogar für etwas mehr Nachhaltigkeit mehr bezahlen. Schön wär's ja. q Infos: www.nachhaltigewochen.at, www.fairtrade.at


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