STANDPUNKT

Insel im Westen

Politik | aus FALTER 39/04 vom 22.09.2004

Damit hatte nicht mal der schwarze Landeshäuptling gerechnet. "Unerwartet klar" sei der Sieg gewesen, den seine ÖVP eingefahren habe, meinte Herbert Sausgruber nach der ersten Hochrechnung etwas verdutzt. Damit bleibt das Ländle politisch auf seinem eigenen Weg. Mit Slogans gegen die in Wien und damit, dass Wolfgang Schüssel erst gar nicht in Vorarlberg wahlkämpfen durfte. Sausgruber wird weiterhin auf mehr privat und weniger Staat machen, schlanke Verwaltung predigen, kaum Kinderbetreuungsplätze schaffen. Wen schert es da, dass es mit der SPÖ eine neue Nummer zwei im Ländle gibt - realpolitisch haben sie eh nichts zu melden. Sausgruber nutzt seine Machtfülle, indem er sich gleich nach dem Wahlabend mit denen in Wien anlegt. Er fordert, die Spitalsfinanzierung aus den Finanzausgleichsverhandlungen auszuklammern, die Länder könnten keine weiteren "Notopfer" für den Bund bringen. Vielleicht sollten sich die Alemannen lieber damit beschäftigen, ob sie ewig ihre eigene Insel im Westen bleiben werden. Auf was kann man sich noch verlassen, wenn es sogar im zweiten blauen Kernland, das eine pragmatischere und eigenständige FPÖ-Politik gemacht hat, die Freiheitlichen so zerbröselt? Und wo bleibt das vielbeschworene Vorarlberger Demokratieverständnis, wenn nur peinliche sechzig Prozent wählen gehen? J. O.


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