Die Fähigkeit zu trauern

ERICH KLEIN | Politik | aus FALTER 39/04 vom 22.09.2004

NS-AUFARBEITUNG. In einem akribisch recherchierten Buch setzt sich der ehemalige "Spiegel"-Autor Martin Pollack mit der Nazivergangenheit seines Vaters auseinander. Gerhard Bast machte als SS-Sturmbannführer eine glänzende Karriere. 

Vatermorden ist ein undankbares Geschäft - vor allem wenn es sich um einen symbolischen Akt handelt, der permanent wiederholt werden muss. Als Deutschland und Österreich vor 59 Jahren von der Diktatur der Nazis befreit wurden, blieb in den Trümmern des Dritten Reiches wenig Zeit, um dem Führer und den NS-Idealen nachzutrauern. Auf die Stunde null folgten Wiederaufbau und Vergessen. Das für diesen Vorgang geprägte Wort von der "Unfähigkeit zu trauern" bezog sich vor allem auf die nicht erfolgte Aufarbeitung der eigenen Irrtümer und Verbrechen. Standen in den Fünfzigerjahren dann der Widerstand und die "Ehrenrettung" der Deutschen im Zentrum der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, wurde in den Achtzigerjahren die Aufmerksamkeit auf den

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