MUSIK & THEATER

Melancholie im September

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 39/04 vom 22.09.2004

Neben dem Rabenhof (siehe oben stehenden Artikel) vertrauen derzeit auch zwei andere Wiener Sprechtheaterbühnen auf die verstärkende Kraft der Musik. Im Schauspielhaus läuft unter dem Titel "wiener lächeln" (bis 9.10.) eine "Theaterfantasie" mit 25 Wiener Sängerknaben, drei Schauspielerinnen und einem Kammerorchester. Es liegt eine tiefe Melancholie über dem kurzen Abend: Traurige Songs ("The Thrill Is Gone") werden eingespielt (und gleich wieder abgewürgt); die drei in Schwarz gekleideten Frauen (Beatrice Frey, Melitta Jurisic und Susi Stach), die meist stumm zwischen den singenden und tobenden Buben sitzen, wirken unendlich einsam; am Ende singen die Knaben ein nach Motiven von Georg Büchner getextetes Endzeitmärchen. Regisseur Barrie Kosky zeigt also einmal mehr sein Gespür für szenische Situationen und knapp am Kitsch vorbei inszenierte Stimmungen. Leider geht aber auch die leichte Muse wieder mit ihm durch: Wenn die Knaben im Revuestil Passagen aus der "Zauberflöte" singen

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