Fragen sie Frau Andrea

Extrawürste

Stadtleben | aus FALTER 39/04 vom 22.09.2004

Liebe Frau Andrea,

den Ausdruck Extrawurst kenne ich als Metapher für anmaßende Wünsche und als Bezeichnung für rosafarbene Wasserwurst. War eine der beiden Bedeutungen namengebend für die andere, oder sind sie unabhängig voneinander entstanden? Und da ich schon einmal in der Leitung bin: Warum muss man geschnittene Extrawurst laut Text auf der Verpackung 15 Minuten vor dem Verzehr öffnen?

Liebe Grüße,

Norbert Mottas, St. Valentin Lieber Norbert,

die beiden Extrawürste haben weder sprachlich noch inhaltlich miteinander zu tun. Die Extrawurst, der sprichwörtlich unerhörte Sonderwunsch, wird gebraten und schriebe sich eigentlich "extra Wurst". Die Chuzpe solch eines Wunsches besteht darin, den natürlichen Überwachungsrhythmus des Wurstbräters durcheinander zu bringen. Das marginale Vergehen gegen die Bratwurst-Etiquette bei deutschen Kirtagen und Volksfesten wurde schließlich sprichwörtlich. Die Extrawurst, die Österreichs Schulkinder vor allem in Semmeln eingelegt wissen, heißt außerhalb Schnitzellands eigentlich "Lyoner". Diese Wurst, deren Ursprünge in der französischen Stadt Lyon liegen, ist außerhalb Österreichs meist in Ringform (bei uns: Kranzl Extra) bekannt. Die Lyoneser Metzger hatten ein spezielles Verfahren entwickelt, um Wursthaut rot zu färben. Warum man geschnittene Extrawurst 15 Minuten vor dem Verzehr öffnen sollte, kann ich nicht beurteilen. Sorgen würde ich mir machen, wenn es umgekehrt wäre.

dusl@falter.at


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