Kommentar

Kakanische Kofferdämmerung

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 40/04 vom 29.09.2004

An Stoff für spannende Debatten herrscht zurzeit gewisss kein Mangel. Die Auseinandersetzungen um einen etwaigen Beitritt der Türkei zur EU etwa gäben genug her, um unter österreichischen Kopf- und Kulturarbeitern für angeregte und leidenschaftliche Diskussionen zu sorgen. Auch die weitgehende Verbannung eines ganzen Kontinents - Afrika - aus dem (ver)öffentlich(t)en Bewusstsein würde intellektueller Intervention durchaus lohnen. Stattdessen wird hierzulande - vorzugsweise auf lachsrosa Seiten - eine Kofferkontroverse geführt: Wer soll, will, darf in den Kanon, den Günther Nenning, Kofferpacker von Kanzlers und Gottes Gnaden, für die Literatur nach 1945 für das geschichtsträchtige Megagedenkjahr 2005 (Friede, Freude, Staatsvertrag) zusammenstellt?

Mittlerweile hat sich einiges geändert: Nach dem Exodus zahlreicher Autoren (Achleitner, Gerstl, Gstrein, Jelinek, Kehlmann, Okopenko, Streeruwitz et al.) und dem ostentativen Bleiben anderer, die schon mal dafür, dann dagegen, dann


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