NÜCHTERN BETRACHTET

Frühherbstliches Rohrbefüllungsritual

Kultur | aus FALTER 40/04 vom 29.09.2004

Es gibt eine Art, das Wort "Ritual" so zu verwenden, dass in der Umgebung des Sprechers die Lichterbäume der Bedeutsamkeit zu leuchten anfangen wie die Warnblinkanlage im Cockpit eines Eurofighters. Die Lichterbäume wollen besagen: "Ich bin ein sozioanthropoethnologisch ganz schön ausgeschlafenes Bürschchen und weiß, dass wir auch in unserer ach so zivilisierten Welt auf Ri-tu-al-e nicht verzichten können und auf diese Weise Kontakt zu archaischen Schichten unseres Menschseins halten oder so." Man soll sich daher bitte nicht gleich ins Höschen machen, wenn ich behaupte, dass ich vergangenen Samstag einem "Ritual" nachgegangen bin - auch wenn die genannte Verrichtung fraglos dazu angetan ist, mir Halt zu verleihen in den steifen Brisen des Alltags. Ritualhaften Charakter hat die Inbetriebnahme der Zentralheizung allenfalls insofern, als sie in meinem Falle unsinnig komplex oder unsinnig primitiv ausfällt - je nachdem, wie man es sehen mag. Der Installateur, der kurz nach der Montage


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