PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Laa an der Thaya

Stadtleben | aus FALTER 40/04 vom 29.09.2004

... Schäme dich also nicht, dich zu unserem Herrn zu bekennen ...

2 Tim, 1.6-8,13-14 (2. Lesung am 27. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres C)

In Laa an der Thaya, wo ich Samstag, 18. dieses, in Ketten, an allen Gliedern gespreizt, nachts über hing, wo viele Skater in Musikangelegenheiten versammelt waren und ich es also auf die leichte Schulter nahm, weil ich mir dachte, die werden ihre Gürtel nicht zücken, da würden ihnen die Hosen runterrutschen, und das würden sie niemals riskieren. Doch es war ein munteres Völkchen, und es erfand alle möglichen Schlaginstrumente und benutzte mich hurtig, sodass es ordentlich geriet dieses Mal, so die Nacht über. Ich hing im Rahmen von Big Kult als Beiprogramm, machte die brennende Kerze, also Hände überm Kopf mit Handschellen und Beine mit Stricken gespreizt, konnte aber nicht den schönen Schmerz erreichen, weil in Brusthöhe, genau dort, wo die Brustwarzenklammern befestigt waren, stand ein Brett im Weg, das mich circa zehn Zentimeter tief quälte und also zwang, einen Buckel zu machen, sodass ich ziemliche Rückenschmerzen bekam.

  Auch die Kirche erwacht. In den Aufbaugymnasien und Priesterseminaren werden Pornos betrachtet, auf der Straße rotten sich Mesner zusammen, die einzuräumen beginnen, Geilheit zu kennen, und machen dich an! Bald werden die Geistlichen in den Dekanatskonferenzen miteinander darüber zu reden anfangen. Vorige Woche begann die "Barbara Karlich Show" gegenzusteuern: "Mein Vater ist ein Priester", sollen Leute sich melden, damit der Eindruck nicht allzu wild wird, alle Priester seien nur schwul.

  Wie mir überhaupt auffällt, dass die Geistlichkeit gern darüber redet, sie würden sich zum Zölibat verpflichten. Das ist natürlich eine Lüge. Wir müssen unterscheiden zwischen Welt- und Ordensgeistlichkeit. Also Weltpriester müssen bei ihrer Ordination ihrem Bischof zwei Dinge schwören, und die Ordensgeistlichkeit muss sogar drei Dinge schwören. By the way, mir fällt hier wieder unangenehm auf, dass Frauen nur die Ordensform ergreifen können, nicht aber das Weltreligiosentum. Also die zwei Dinge, die die Weltgeistlichkeit schwören muss: Sind Gehorsam und Jungfräulichkeit, die Ordensangehörigen müssen als drittes zudem noch Armut und Eigentumslosigkeit schwören.

  Meines Erachtens müsste die Kirche aus dieser Not, wie es die Brustwarzenfolter darstellt, eine Tugend darin herausbilden. Wenn ihr Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn! Statt verwässerlichend von Zölibat herumzulabern. Der Zölibat ist ja eine ungeheure Verschlampung aller Perversionen: Du musst dich zu niemand bekennen, nimmst heute, wirfst morgen fort, weil du ja "zölibatär" bist, wozu niemand jemals verpflichtet wurde. Im Rahmen deiner Jungfräulichkeit ist es natürlich klar, dass du nur Pfarrersköche und Pfarrersköchinnen nehmen darfst, aber nachdem du mit denen nichts treiben darfst, laut deinem Schwur, können die ja hinwiederum Perversionen treiben, wie sie nur wollen. Aber du, Weltpriester, Ordensfrau und Ordensmann, darfst nicht einmal Wichsen! Das ist dein Gelübte, das du vor deiner Gottheit auf ewig gelobt hast. Es ist deine Perversion, also mach etwas draus. Ich verstehe es ja sehr gut, wie die Ideengeschichte der christlichen Theologie diese Form (Abart) ausbilden konnte, indem es im heutigen Sonntagsevangelium vom Senfkorn so wunderschön heißt, was alles geschähe, wenn dein Glaube auch nur so winzig klein wie ein Senfkorn wäre, und du es verfügtest ... (Lk 17,5-10)

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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