Lektionen über die Lektion

Oliver Hochadel | aus FALTER 40/04 vom 29.09.2004

Warum dauert eine Vorlesung neunzig Minuten? Wann durften Frauen in Österreich erstmals daran teilnehmen? Und wieso brach Theodor W. Adorno am 22. April 1969 im Hörsaal VI der Universität Frankfurt in Tränen aus? Eine kurze Geschichte der Vorlesung in acht Kurzlektionen von der Fleischbeschau bis zum Busenattentat.

Lectio ex cathedra. Der Begriff Vorlesung ist wörtlich zu nehmen: An den mittelalterlichen Universitäten, ja bis ins 18. Jahrhundert hinein las der Dozent, der auf dem Katheder Platz nahm, nicht aus den eigenen Werken, sondern aus dem vorgeschriebenen Kompendium vor - referierte also die Autoritäten der Zeit. Die Professoren mussten die Säle oft auf eigene Kosten mieten, später hielten sie ihre Vorlesungen in den eigenen vier Wänden. Die Dauer der Lektionen, die auch heute noch 45 oder neunzig Minuten beträgt, ergab sich aus der Halbierung bzw. Viertelung jener dreistündigen Abschnitte, in die der klösterliche Tag aufgeteilt war.

Fleischbeschau. Im 16. Jahrhundert


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