science@fiction

Daniel Kehlmann | aus FALTER 40/04 vom 29.09.2004

Vor Jahren hatte ich das Vergnügen, eine Vorlesung von Umberto Eco an der Pariser Ecole Normale Supérieure zu hören. Eco sprach, ohne Notizen vor sich zu haben, über postmoderne Dichtung. Die Stimmung war gelöst, der Saal nicht voll, die Hörer waren gut vorbereitet: Wenn Eco von imaginären Orten wie der Baker Street oder der Eccles Street redete, merkte man, dass jeder wusste, wer diese Straßen in welchen Büchern bewohnte. In der Pause lehnte Eco an der Wand, rauchte eine Zigarre und plauderte mit Studenten. Am Ende der Vorlesung verabschiedete er sich mit einer ironischen Verbeugung, nahm seine Aktentasche und bestieg das Taxi zum Flughafen.

Ich fuhr mit dem Nachtzug zurück, und der Zufall wollte es, dass ich am nächsten Tag die Vorlesung einer Wiener Germanistikprofessorin besuchte: eine ältliche Dame, die einige Minuten verspätet den Hörsaal betrat und die Vorlesung einige Minuten zu früh beendete, offenbar, damit kein Student die Möglichkeit habe, sie anzusprechen (auch

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