Kommentar

Die Nummer eins vom Schauspielhaus

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 41/04 vom 06.10.2004

Wie vorige Woche lapidar bekannt gegeben wurde, wird der australische Regisseur Barrie Kosky, seit drei Jahren gemeinsam mit Airan Berg künstlerischer Leiter des Wiener Schauspielhauses, das Theater Ende 2005 verlassen. Der Vertrag der beiden Direktoren läuft bis Ende der Spielzeit 2006/07; Kosky steigt also eineinhalb Jahre früher aus als geplant.

Die Nachricht kam zunächst überraschend: Wäre das Schauspielhaus ein Formel-1-Rennstall, dann wäre Kosky eindeutig der Nummer-eins-Fahrer im Team. Die Siege, die das Theater in den vergangenen Jahren verzeichnen konnte - vor allem "Medea" und "Der verlorene Atem", mit Abstrichen auch "Poppea" -, gehen alle auf sein Konto, während Teamkollege Berg bei seinen zwei Regieversuchen ("Jerusalem mon amour", "1914") beide Male einen Totalschaden baute.

Als Motiv für den Abgang werden offiziell "berufliche Gründe" angegeben. Da ist sicher was dran: Nach seiner erfolgreichen Inszenierung von Ligetis "Le Grand Macabre" an der Komischen Oper Berlin


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