PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Cap und der selige Kaiser

Stadtleben | aus FALTER 41/04 vom 06.10.2004

In jenen Tagen ging Naaman, der Syrer, zum Jordan hinab und tauchte siebenmal unter ... Da wurde sein Leib gesund wie der Leib eines Kindes, und er war rein von seinem Aussatz ...

2 Kön 5,14-17 (1. Lesung am 28. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres C)

Bis jetzt sah Cap immer aus wie Pepi, mein ältester Cousin Pepi, nunmehr aber biegt er in den Kindermann von der Krone ein. Wenn er Brillen aufhat, beginnen wir alle, mit ihm zu weinen. Dabei weiß ich nur aus dem Falter, dass er Krawatte zu tragen begann. Sie werden - jetzt, hundert Wochen davor - die Wahlen nur gewinnen, wenn sie die Regierung rechts überholen. Die haben's ja gut miteinander, nicht so wie ich, einsam am Sonntag, die sitzen zusammen, haben schon alles vom Weinhändler-Vater, der schon Nenning heilte, mitgekriegt, und sind ein Herz und eine Seele, der Parteivorsitzende und der Klubobmann. Und schauen der kirchlich geschiedenen Gesundheitsministerin zu, wie sie im schwarzen flotten Hosenanzug und mit schwarzem Schleier in die Knie geht, dem Papst die Hände küsst, dann wieder hochkommt und geht, aber merkt, sie hat was vergessen, ach ja, in dieser Nähe sich zu bekreuzigen, linkisch.

  Die Sozialdemokratie repräsentiert die einfachen Leute, sie hat die Ohren am Volk, hat aber vergessen, dass die Arbeiterbewegung mit Bildung begann. Jetzt lässt sie sie saufen, und ihr Zeiler ist der Gottsoberste, der das Fernsehen ruinierte. Und es findet sich im ganzen Sprachraum kein linker Stolz, der einen Kanal mit Abogebühren über Satellit sich schüfe. Und so steigt der Cap hinab aus der Degustation und lässt die Türkei nicht herein. Sodass das Volk eine Kakaphonie vernimmt, der Jörgl: ja, der Schröder: ja, der Cap aber wieder: nein, der Schüssel: vielleicht. Es is ja alles eins. Wo keine Ideen, las ich an einer Klowand, da gebe es auch keine Revolution. Ja, ich bin natürlich auch gegen Revolution, jetzt im Alter hab ich meine Wohnung halbwegs zusammengeräumt, und da würde mich eine Revolution doch psychisch sehr durcheinander bringen, klar. Aber alles fahren lassen, Cap? Nur mehr dafür da sein, dass die Regierung linkschaotisch dasteht, und alle dann Gusy wählen, damit er dann zur Rechten sitzet?

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