Orakel von Nordenham

TOBIAS HEYL | Extra | aus FALTER 41/04 vom 06.10.2004

FAMILIENSAGA Die Protagonisten aus Malin Schwerdtfegers "Delphi" sind im Heute ebenso zu Hause wie im archaischen Gestern. 

Als Malin Schwerdtfeger 2001 mit ihrem Erzählungsband "Leichte Mädchen" debütierte, gehörte sie zu jenen Autorinnen, die das "Fräuleinwunder" in der deutschen Literatur vollbracht hatten - aber schon damals konnte man an ihren Texten erkennen, dass sie nicht auf irgendeinen Trend angewiesen war, um als Autorin zu überzeugen. Es folgte der Roman "Café Saratoga", mit dem Schwerdtfeger ihr enormes Talent in der Erfindung von Figuren, in der Beschreibung von Schauplätzen, im Timing von Dialogen demonstrierte. Wer andere Romane dieser Generation kennt, weiß solche Fähigkeiten zu schätzen.

  Nun also der zweite Roman, "Delphi". Streng genommen eine Familiensaga, aber was heißt schon Familie: der Vater Archäologe, die Mutter vom Chassidismus ergriffen; die Kinder Linda und Robbie, zehn Jahre später noch einmal zwei: die Ich-Erzählerin und Pepita. Geboren wurden

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