Worte lügen nie

ERICH KLEIN | Extra | aus FALTER 41/04 vom 06.10.2004

UNTER MÄNNERN In seinem kurzen Roman "Der letzte Freund" singt Tahar Ben Jelloun das Hohelied der Männerfreundschaft. 

Jetzt gebe ich dir zurück, was dir zusteht. Unsere Freundschaft war ein schönes Abenteuer. Sie endet nicht mit dem Tod. Sie lebt weiter in dir."

  Die Schlusspassage von Tahar Ben Jellouns Roman "Der letzte Freund" schließt sich in einer Kreisbewegung zum Anfang: "Er sagte immer wieder: Worte lügen nie; es sind die Menschen, die lügen. Ich bin wie die Worte." Was sich dazwischen entfaltet, ist thematisch aus Ben Jellouns früheren Büchern "Das Schweigen des Lichtes" oder "Labyrinth des Gefühls" reichlich bekannt: nordafrikanisches Leben in den 1960er-Jahren, Freundschaft, Sex, politischer Kampf, Unterdrückung und Gefängnis, westlicher Lebensstil im Konflikt mit traditionellem Islam, Exil und Emigration. Allerdings: Wirkliche Lebendigkeit der Erzählung, eine Knappheit des Stils, die fast ans Klassische grenzt, Offenheit der Form, ein Spiel der Worte, das jede

  967 Wörter       5 Minuten
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