"Sie verbot es sich"

Extra | STEFAN ENDER | aus FALTER 41/04 vom 06.10.2004

EROS Verstörend streng, betörend stark: Inge Merkels wieder aufgelegter Erzählband "Zypressen". 

Der Ton macht nicht nur die Musik, auch jeder Text hat seinen eigenen Sound. Liest man zum ersten Mal Prosa von Inge Merkel, so ist man bezirzt vom unverwechselbaren Klang ihrer Sprache: Strenge, Noblesse, Präzision und eine subtile Musikalität mischen sich in einer Art, die eben an jenen "hohen Ton" erinnert, welcher den großen Schauspielerinnen des vorigen Jahrhunderts zugesprochen wurde: Nennen wir Paula Wessely oder Vilma Degischer. Wie ein letztes Echo aus einer vergangenen Epoche dringen die 1982 ersterschienenen, jetzt wieder aufgelegten Erzählungen der 82-jährigen, in Baden bei Wien lebenden Schriftstellerin ans innere Ohr des Lesers: verspätete literarische Schallwellen, die Anklänge an Hilde Spiel, an Doderer, Schnitzler und Musil mit sich tragen.

  Streng ist nicht nur der Ton Merkels, streng ist auch die Behandlung, die sie ihren drei Protagonistinnen widerfahren lässt.


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