Stochern im Schädel

Extra | OLIVER HOCHADEL | aus FALTER 41/04 vom 06.10.2004

WISSENSCHAFTSGESCHICHTE Um die Genialität von Schopenhauer, Lenin oder Einstein zu lokalisieren, wurden deren Gehirne akribisch untersucht. Heraus kam meist, was die Gelehrten hineinprojiziert hatten, wie der ETH-Professor Michael Hagner eindrucksvoll zeigt. 

Als Albert Einstein im April 1955 in einem Provinzkrankenhaus in Princeton im US-Bundesstaat New Jersey starb, entnahm der Pathologe Thomas Harvey dem weißen Struwwelkopf bei der Autopsie kurzerhand das Gehirn. Der mit seinem Zufallsfund überforderte Nichtneurologe zerschnitt die Quelle der Relativitätstheorie in knapp 200 würfelförmige Blöcke und legte diese in Formalin ein.

  Teile dieses Materials untersuchte Ende der Neunzigerjahre die kanadische Neurowissenschaftlerin Sandra Witelson und befand, dass Einsteins untere Parietallappen besonders entwickelt gewesen seien. Räumliches Erfassungsvermögen und mathematisches Denken hingen stark von dieser Region ab. Für Michael Hagner ist dies ein Rückfall ins 19. Jahrhundert.


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