EIN FILM UMSONST

Amos Vogel und Cinema 16

Extra | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 41/04 vom 06.10.2004

Obwohl er selbst nie Filme gemacht hat, verdankt Amos Vogel das Kino unendlich viel, darunter das legendäre Cinema 16, die Gründung des New York Film Festivals und das wunderbare Buch "Film as a Subversive Art". Er gilt als ultimativer Cineast; ein streitbarer Intellektueller, der als Kurator und Publizist seine ganz eigene, autonome Spur in der Geschichte des unabhängigen Filmschaffens gezogen hat.

  Nach zwei eher biografisch getönten Filmen von Egon Humer, "Emigration, N.Y." (1995) und "Amos Vogel: Mosaik im Vertrauen" (2001), bei denen Vogel auch die Dramaturgie mitentwickelt hat, widmet sich "Film as a Subversive Art: Amos Vogel and Cinema 16", eine Dokumentation von Paul Cronin, nun vor allem dem von ihm geleiteten New Yorker Filmclub. Leider mit untauglichen, an lieblosen Fernsehfeatures geschulten Mitteln, die in krassem Widerspruch zu all dem stehen, wofür Vogel mit Cinema 16 ebenso unbeirrbar wie überzeugend gekämpft hat.

  Zwischen unmotivierten Zooms und sinnlos illustrativen Filmclips erfährt man dennoch auch Interessantes, vor allem in den Interviewszenen. Die witzigste zeigt Amos und Marcia Vogel und ihren langjährigen Mitarbeiter Jack Goelman in dem mit einem riesigen Fresko verzierten Needles-Trades-Auditorium mit 1600 Plätzen, das einst von Cinema 16 bespielt wurde. Plötzlich entbrennt eine lebhafte Diskussion darüber, ob das Wandgemälde damals noch nicht da oder bloß nie jemandem aufgefallen war. Dass es Szenen aus der Geschichte der amerikanischen Arbeiterbewegung zeigt, passt jedenfalls hervorragend. Vogel sah im Kino immer auch eine demokratische Bildungsanstalt.

Stadtkino - Fr, 22.10., 20.30 Uhr und So, 24.10., 11 Uhr (OF)


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