DOLM DER WOCHE

Wolf Martin

Politik | aus FALTER 42/04 vom 13.10.2004

Wolf Martin, der Krone-Verswolf, kokettiert ja gerne mit dem Image des verfolgten Arbeiterdichters. Die Linken würden "einfach nicht erkennen, dass er gutes Kabarett macht", erklärte einmal sein Verleger. In Wahrheit ist Martin die verfolgende Unschuld, voll heimlicher Freude, Naziopfer zu verhöhnen. Etwa als er an Hitlers Geburtstag "Fürwahr, ein großer Tag ist heut" reimte oder die Frage stellte, ob man uns über den Zweiten Weltkrieg gar Lügen erzähle. Als die FPÖ auf Plakaten gegen Elfriede Jelinek hetzte, da wollte auch der frühpensionierte Amtsrat um nichts nachstehen - und reimte "Dreck" auf Jelinek. Der Untergriff wurde Symbol der heimischen Künstlerverachtung. Vergangenen Sonntag grub Martin den Reim anlässlich der Nobelpreisverleihung Jelineks wieder aus. "Stets sah Elfriede Jelinek/ in Österreich den letzten Dreck/ Doch jetzt ist dieser stolz auf sie/ Verstört sie das nicht irgendwie?" Das nennt man unseren Stolz in den Dreck ziehen.


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