Hurra!

Medien | EVA WEISSENBERGER | aus FALTER 42/04 vom 13.10.2004

BUCH Doris Knecht hat ihre Kolumnen in einem Buch gesammelt - herausgekommen ist ein kleiner, feiner Roman. 

Dass Doris Knecht schreiben kann, muss man in dieser Zeitung nicht ausführen. Dass sie lustig ist, auch nicht.

  Was hingegen schon eine Erwähnung wert ist: Die frühere Falter-Vizechefin und heutige profil-Autorin hat Geschichten aus der Zeit dazwischen zu dem Buch "Hurra." zusammengestellt, 111 Kolumnen, die im Magazin des Schweizer Tages-Anzeigers erschienen sind. Aneinander gereiht wird daraus fast ein Roman, jedenfalls ein regelrechter pageturner.

Eine Journalistin, Mitte dreißig, geht nach Zürich, um zu arbeiten und zu trinken. Sie kommt zurück nach Wien, um Zwillinge "auszubrüten". Sobald die Schwangerschafts- und Kindergeschichten einen zu nerven beginnen, beschweren sich auch schon die Tagimagi-Leser, und die Heldin trinkt wieder Gin.

  Aber, danke für die Schilderung des Lebens als Mutter von "vergnügungssüchtigen, kleinen Monstern", geistig unterfordert und auch noch ohne die vertrauten "Stilettoschläpperli" unterwegs, vom "absoluten Stiefel" ganz zu schweigen - endlich ist eine einmal ehrlich.

  Das unterscheidet Knechts Kolumnen von anderen: Sie gibt wirklich etwas von sich preis, macht sich "zum Affen", verrät gnadenlos Freunde und Familie. Wer die Wiener oder Zürcher Medienszene kennt, hat zudem das Vergnügen zu raten, auf wessen Kosten der Spaß gerade geht.

Das Buch hat nur einen Schönheitsfehler: das Vorwort von Robert Menasse, peinlich wie der feuchte Traum eines Pubertierenden.

Doris Knecht: Hurra. Kolumnen zwischen Zürich und Wien. Anleitung zum Doppelleben in 111 Schritten. Wien 2004 (Czernin). 245 S., e 15,90


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