SPIELPLAN

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 42/04 vom 13.10.2004

Willi Resetarits spielt gerade sich selbst als Bub, der auf dem Gangklo seines Elternhauses heimlich "Die Olympiade der Lausbuben" liest und bei dieser Gelegenheit ein Silberfischchen kennen lernt, das von Gerald Votava verkörpert wird. Die beiden kommen ins Gespräch, irgendwann hängt Votava sich die Gitarre um, und sie singen "Tausend Jahre sind ein Tag" von Udo Jürgens. Wir befinden uns mitten in der neuen Sonntagnachmittagsshow "Weil, warum:", die wöchentlich im Orpheum (bis 19.12.) über die Bühne geht. Resetarits (dunkler Anzug) und Votava (Seidenpyjama) unterhalten sich angeregt über Tiere, wobei sie auch um heikle Themen (z.B. Homosexualität bei Meerschweinchen) keinen Bogen machen; das jazzig gestimmte Guggenbichler-Trio begleitet die beiden Schmähbrüder ebenso souverän wie der wissenschaftliche Berater Peter Iwaniewicz, den keine Frage ("Sind Bazillen auch Tiere?" - "Nein." - "Wieso nicht?") aus der Fassung bringt. Insgesamt ein sehr guter Anlass, sonntags außer Haus zu gehen.

Klaus Manns Roman "Mephisto" (1936) erzählt die Geschichte des Schauspielers Hendrik Höfgen, der im NS-Regime Karriere macht. Weil Höfgen starke Ähnlichkeiten mit dem berühmten Gustaf Gründgens aufweist, wurde der Roman in den Sechzigerjahren verboten, was zu seinem Ruhm ebenso beigetragen hat wie die Oscar-prämierte Verfilmung mit Klaus Maria Brandauer von 1981. Bereits zwei Jahre vorher hat die berühmte französische Regisseurin Ariane Mnouchkine den Roman dramatisiert; diese Version steht nun im Volkstheater auf dem Spielplan. Die auf zahlreichen Ebenen handelnde Collage, in der Höfgen keine so zentrale Rolle wie im Roman und im Film spielt, schreit nach ausgeklügelter Erzähltechnik und mehreren Stunden Spielzeit; Regisseur Torsten Fischer versucht's in knapp zweieinhalb Stunden und mit einer betont schlichten Stufenbühne, auf der sich das 19-köpfige Ensemble (prominente Gäste: Martin Reinke, Nicole Heesters) ständig im Weg steht. Mehr wäre hier mehr gewesen.


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