Brodeln, taumeln

Extra | STEFAN DREES | aus FALTER 43/04 vom 20.10.2004

OLGA NEUWIRTH Mehrdeutigkeiten, Verschiebungen und Brüche kennzeichnen Olga Neuwirths Musik. Eine Einführung. Das Einfache, leicht Erklärbare oder simpel Strukturierte ist nicht ihre Sache - ganz im Gegenteil: In den Werken der Komponistin Olga Neuwirth brodelt es unaufhörlich, es herrscht eine Verunsicherung, die dem Hörer förmlich den Boden unter den Füßen wegzieht. Die Klänge taumeln von einer Episode zur nächsten, sammeln sich gleichsam in verschiedenen Aggregatzuständen, um gleich wieder daraus hervorzubrechen; viele winzige Gesten summieren sich zu geräuschhaften Klangkaskaden oder nervös flimmernden Stimmengeweben, deren Beschaffenheit und Dichte sich ständig verändern. Dabei sperren sich die formalen Strukturen der Musik den Konventionen narrativen Fortschreitens: An die Stelle einer zielgerichteten Kontinuität tritt die unüberschaubar anmutende Folge wuchernder Klangsituationen, ständiger Abbrüche, abrupter Einschnitte, kontrastreicher Verwerfungen oder musikalischer


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