STREIFENWEISE

Kultur | DREHLI ROBNIK, MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 43/04 vom 20.10.2004

Die "Mumie"-Filme der letzten Jahre haben leidlich gute Figur und satte Gewinne gemacht, indem sie Abenteuerformeln, die schon Indiana Jones nur nostalgisch anwandte, spezialeffektfreudig überhitzten. Selbiges versucht nun auch die deutsch-amerikanische Billigproduktion "Coronado". Der titelgebende Schauplatz und die Handlung bestehen aus kolonialromantischen Lateinamerikaklischees (bärtige Diktatoren, bärtige Guerilleros, dazwischen Urwald, allesamt schwitzig). Held und Heldin, er aufgedunsen, beide herrenmenschlich-westlich und führend beim Aufstand der Verschwitzten, klauen alte Harrison-Ford-Pointen, fallen aber sonst nicht weiter auf. Der Akzent liegt auf Dschungeltempelpanoramen, Materialschlachten und beeindruckend langen Actionszenen aus dem Rechner.

  Was Länge und Durchhaltevermögen betrifft, vermag auch "The Bourne Supremacy", das Sequel des Big-Budget-Agententhrillers "The Bourne Identity" (2002), zu beeindrucken: 108 Minuten Verfolgungsjagd ohne jede Verschnaufpause. Nonstop wird hier in Autos um die Ecke gequietscht, keuchend gerannt, wird in U- und Straßenbahnen, im Flieger und auf Frachtkähnen geflüchtet und auf diese Weise im Minutentakt in allerletzter Minute noch entkommen. Diese ermüdende Daueranspannung wurde in Teil eins noch durch einen romantischen Subplot zwischen Titelheld Jason Bourne (Matt Damon), CIA-Auftragskiller auf der Flucht, und seiner Zufallsbekanntschaft, einer deutschen Backpackerin (Franka Potente), aufgelockert. Für Letztere hat der actionlastige Nachfolgefilm anscheinend keine Verwendung mehr und entledigt sich ihrer also ehestmöglich, nicht ohne ihr eine letzte humanitäre Botschaft in den Mund zu legen. Sie rät Bourne, die Waffen zu strecken. Doch wie Actionhelden so sind: Er weiß es besser und zieht lieber eine Schneise der Zerstörung von Neapel über Amsterdam, München, Berlin und Moskau quer durch good old Europe.


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