KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 43/04 vom 20.10.2004

Eine Valie-Export-Ausstellung ohne Körper - das hört sich wie der abwegige Versuch an, aus dem Werk der feministischen Künstlerin gerade die Ingredienz zu filtern, die deren wesentlichen Geschmack ausmacht. Die feine Schau "Serien" im Atelier Augarten (bis 20.2.) entkräftet jedoch nicht Exports politisch-gesellschaftskritischen Anspruch. Vielmehr macht sie die (medien-)analytische Vorgehensweise der heute 64-Jährigen deutlich, die oft durch den sichtbaren Körper der Künstlerin ins Hintertreffen geriet. Sich selbst bei der Wahrnehmung zu beobachten, wäre eines ihrer wesentlichen Ziele gewesen, meinte Export zu den konzeptuellen Fotoserien aus den Siebzigerjahren. Der Körper der Frau mit der Kamera ist nicht zu sehen, aber doch stets präsent. Sie erkundet das Verhältnis von Wiederholung und Differenz, indem sie im "Raumsprung" einen Gehsteig von vier Balkonen aus fotografiert oder mit links hintersinnige Schreibversuche unternimmt. Dem Ausstellungsbesucher wird seine eigene Bewegung durch die Installation "Split Video Mobile" vorgeführt. Sowohl die Methoden als auch die Motive (Flaktürme, Bunker, Dünenlandschaften, Wolkenkratzer) des für Österreich pionierhaften Zugangs lassen stark an US-Künstler wie Gordon Matta Clark, Dan Graham oder Robert Smithson denken. Und wie bei diesen Positionen regiert auch Exports oft karge Arbeiten eine ganz eigene Form von Poetik.

  Raum und deren Repräsentation bildet die Matrix, aus der sich die äußerst gekonnte Malerei von Martina Steckholzer speist. Ein ORF-Kulturstudio bildete den Ausgangspunkt einer früheren Schau der 1974 geborenen Künstlerin. Ihre erste Galeriewausstellung bei Meyer Kainer (bis 31.10.) basiert auf architektonischen Versatzstücken einer Messehalle. Steckholzers teilweise recht slicke Gemälde erzeugen weniger einzeln, denn als Serie Spannung. Ob der inhaltliche Bezug auf den Kunstmarkt Institutionskritik oder eine Flucht nach vorn bedeutet, sei dahingestellt.


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