NÜCHTERN BETRACHTET

Von der Lust des Leerens

Kultur | aus FALTER 43/04 vom 20.10.2004

Einer der drei, vier Witze, die ich mir merken und die man auch außerhalb von Agglomerationen angesäuselter Präsenzdiener erzählen kann, handelt von einem Angehörigen irgendeiner, in der jeweiligen Region als mental träge denunzierten Bevölkerungsgruppe und sieht dessen Begegnung mit einer guten Fee vor, die ihm die Erfüllung der üblichen drei Wünsche in Aussicht stellt. Der Glückspilz entscheidet sich zunächst für eine unleerbare Flasche Bier, die von der Fee auch prompt geliefert wird. Der Beschenkte setzt an, trinkt. Die Flasche bleibt voll. Weitere Versuche - gleiches Ergebnis. Der Mann ist's zufrieden. Dann sagt er: "Ich hätte gern noch zwei." Was der Pointe des Witzes entgeht, ist der Umstand, dass das Leeren einer Bierflasche und das Öffnen einer neuen nicht unbeträchtlichen Lustgewinn verschafft - zumindest Typen wie mir, womit ich vermutlich knapp an einer jener Todsünden entlangschramme, die in meiner Konfession keine Gültigkeit haben. Ich empfinde das Nicht-zu-Ende-gehen-Wollen


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