Um die Ecke

Stadtleben | MARLENE STREERUWITZ | aus FALTER 43/04 vom 20.10.2004

KINO Vergangene Woche fand im traditionsreichen Eos Kino in Wien-Landstraße die letzte Vorstellung statt. Ein Nachruf. 

Ade Eos Kino. Jede Schließung eines erinnerungsgetränkten Orts in Wien hat ihre eigene Geschichte. Das wird auch beim Eos Kino nicht anders sein. Eine Mischung aus wirtschaftlicher Hoffnungslosigkeit, Umstrukturierungsdruck und Besitzverhältnissen. Und dann geht es nicht mehr. Es war schon vor einem Jahr sichtbar. An den kleinen Ökonomien. An der Stimmung der Betreiber. Das Eos Kino war ein großartiger Ort gewesen. Wenn irgendjemand gewollt hätte, hätte man oder frau etwas daraus machen können. Es gab Interessenten.

  Aber es gibt nicht Interesse genug. Wien ist eine Stadt, in die der Bürgermeister sich zwar verliebt hat. In der aber alles getan wird, sich der eigenen kleinen Geschichten zu entledigen und flugs in die globalisierte Geschichtslosigkeit zu fallen. So haben wir jetzt die Albertina als Cateringhall, wie sie auch in Houston stehen könnte. Das ist von einer politischen Aufsteigerschicht so gewollt. Und. So wird es weitergehen. Ein Eigenes. Ein in der Wiener Geschichte Wienerisches. Und viel ist nicht mehr übrig. Dessen lassen wir uns ständig und täglich berauben. Entwienertes Wien mit Wien nur noch für Touristen. Bis es für uns selber das Wienerische nur noch auf Eintritt gibt. Wien als Schlaf- und Arbeitsstatt und Stadtleben gegen hohe Eintrittspreise. Ade Eos Kino.


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