TIER DER WOCHE

Endlich wurde er gefasst: der Gorilla, der im burgenländischen Sankt Margarethen sein Unwesen trieb und harmlose Touristen durch seine reine Existenz erschreckte. Nun wollen wir kleinen Tierfreunde natürlich sofort wissen, um welche der drei verschiedenen Gorillarassen es sich dabei handelt. Der Westliche Flachlandgorilla lebt in der Küstenregion am Golf von Guinea zwischen den Flüssen Niger und Kongo und ist noch relativ zahlreich: Ungefähr 45.000 Tiere dürfte es noch davon geben. Der Östliche Flachlandgorilla kommt am östlichen Rand des Kongobeckens in Zaire vor und ist in seinem Bestand schon auf 4000 Tiere beschränkt. Im Gegensatz zu seiner medialen Bekanntheit ist der Berggorilla vom Aussterben bedroht. An den Hängen der Virunga-Vulkane in der Grenzregion zwischen Zaire, Uganda und Ruanda leben nur noch etwa 400 dieser Menschenaffen.

Stadtleben | PETER IWANIEWICZ | aus FALTER 43/04 vom 20.10.2004

Aber das von der österreichischen Exekutive dingfest gemachte Exemplar hat eher Ähnlichkeit mit einer Figur aus den Sechzigerjahre-"Planet der Affen"-Filmen. Und unter einer solchen Bezeichnung dürfte der 25-jährige Kfz-Spengler das Narrenkostüm auch erstanden haben, mit dem er seit einigen Monaten in den Weinbergen lauerte und Spaziergänger erschreckte. Was daran eigentlich das Schreckliche war, bleibt unbekannt. War das Sichten einer Person in schlechter Tierverkleidung außerhalb der Faschingszeit so gruselig? Vielleicht ist dieses Phänomen des Schreckhaften eher der Landbevölkerung zu Eigen, denn die Studie "Gorillas in unserer Mitte"* der University of Illinois bewies, dass urbane Menschen selbst einen vorbeigehenden Menschen im Gorillakostüm übersehen können.

  Vielleicht wirkt in unseren Zeiten, wo menschliche Körper möglichst kahl rasiert sind, der Anblick einer haarigen Figur psychisch belastend. Das Wort "Gorilla" leitet sich ja auch daher ab, dass die afrikanischen Ureinwohner auf dem Gebiet des heutigen Sierra Leone diese Affen "Gorillai" nannten und sie für einen Stamm besonders haariger Frauen hielten. Egal, was passiert nun mit dem Affenimpersonator? Dieser tourt vorerst durch diverse Talkshows und gibt den Medien Interviews ("Ich bin im Bett gelegen und habe Tränen gelacht"). Da er wohl das genaue Gegenteil eines Exhibitionisten war, ist die Anklage noch unklar und murmelt etwas von einer "Verwaltungsübertretung". Worin die wohl bestand? Oder ist schlechte Kleidung bereits strafbar?

*Daniel Simons: "Gorillas in our midst: sustained inattentional blindness for dynamic events" (Perception, vol. 28, p. 1059).


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